Startseite Kontakt Impressum Verlinkung

Ökumenische Friedensgruppe e.V. Esslingen

Interview mit:

Margit Sandig /61 Jahre alt
Seit 1982 aktiv in der lokalen Friedengruppe: Ökumenische Friedensgruppe Esslingen
Mitbegründerin der Stuttgarter Pazifikgruppe des Pazifiknetzwerks 1986
Mitbegründerin des Vereins DENK-ZEICHEN e.V. Esslingen 1994
Und
Irene Hörburger/69 Jahre alt
Seit 1982 aktiv in der lokalen Friedensgruppe: Ökumenische Friedensgruppe Esslingen
Mitbegründerin der Stuttgarter Pazifikgruppe des Pazifiknetzwerks 1986
Mitbegründerin des Vereins DENK-ZEICHEN e.V. Esslingen 1994

1.- Was machst Du beruflich?
Margit Sandig:
Ich bin gelernte Erzieherin. Schon mit 20 Jahren habe ich geheiratet. Wir haben 3 Kinder und so war ich lange als Mutter und Hausfrau tätig. Ich engagierte mich während dieser Zeit ehrenamtlich in der kirchlichen Jugendarbeit. Als meine Kinder älter wurden veränderte sich mein ehrenamtliches Engagement und ich beteiligte mich an verschiedenen Aktionen der Friedensarbeit. Abrüstung von Atomwaffen/ Schweigen für den Frieden/ Engagement im Pazifiknetzwerk (Mitbegründerin der Pazifikgruppe in Stuttgart) und schließlich die Gründung des Vereins DENK-ZEICHEN e.V. ein Verein der die Geschichte der ZwangsarbeiterInnen und Deportationen von jüdischen Menschen in Esslingen aufarbeitet und der Öffentlichkeit zugänglich macht. Die Friedensarbeit wurde mein Beruf, denn der zeitliche Umfang des Engagements hat einen Widereinstieg in die Arbeit als Erzieherin nicht zugelassen.

Irene Hörburger:
Ich arbeitete 7 Jahre lang als Grundschullehrerin. Dann gründete ich eine Familie und widmete meine Zeit meinen 3 Kindern. Margit und ich lernten uns kennen und uns verbindet eine langjährige Freundschaft. Diese Freundschaft belebte unser ehrenamtliches Engagement in der Friedensarbeit. Ich engagierte mich noch für den Weltgebetstag und gab 10 Jahre lang, an verschiedenen Schulen, Sprachhilfe für ausländische Kinder.
Ich sehe meinen beruflichen Schwerpunkt in der aktiven Mitarbeit in den Gruppen Ökumenische Friedensgruppe Esslingen/ Pazifikgruppe Stuttgart und dem Verein DENK-ZEICHEN e.V. Esslingen. Ich war bei der Gründung der Gruppen dabei und habe mich dort immer mit meinen Anliegen zu Hause gefühlt.

2.- Welches Buch liest Du gerade?
Margit Sandig:
Schiller von Rüdiger Safranski
Eldorado von Laurent Gaudé

Irene Hörburger:
Joseph und seine Brüder von Thomas Mann
Suite francaise von Irène Némirovsky

3.- Was ist Deine Lieblingsmusik?
Margit Sandig:
Franz Schubert ist mein Lieblingskomponist.
Von seiner Musik mag ich besonders: Impromtus

Irene Hörburger:
Ich bin eine Musik –Allround Liebhaberin.
Ich mag Jazz/ Klassik dort vor allem zeitgenössische Komponisten.

4.- Welche Dinge würdest Du mit auf eine einsame Insel nehmen?
Margit Sandig:
Bücher zum lesen und meine Farben und Papier.

Irene Hörburger:
Bücher, Papier und Stifte zum Schreiben und Schokolade.

5.- Wann hast Du das letzte Mal gelacht?
Margit Sandig:
Jetzt gerade!

Irene Hörburger:
Wir lachen gerne und haben Sinn für Humor.

6.- Was liebst Du an Deiner Heimat?
Margit Sandig:
Seit 41 Jahren ist Esslingen meine Heimat. Ich bin in Österreich geboren und habe als Kind dort gelebt. Dann sind wir mit meiner Großmutter nach Deutschland gezogen.
Ich liebe die Schwäbische Alb. Den Panoramablick zum Neuffen und zur Burg Teck. Die Farben sind von lila bis blaß.Wenn ich die österreichische Sprache höre und die österreichische Gerichte esse, erinnere ich mich an meine Wurzeln, an alte Geschichten, die ich von meiner Oma kenne. Auch österreiche Volksmusik und die Landschaft dort erinnern mich an die Atmosphäre meiner Kindheit.

Irene Hörburger:
Esslingen ist meine Heimat. Ich mag die Landschaft, den schwäbischen Dialekt und die schwäbischen Dichter.

7.- Was bedeutet nachhaltige Entwicklung für Dich?
Margit Sandig:
Nachhaltige Entwicklung bedeutet für mich, den Ast für die nächsten Generationen nicht abzuschneiden. Außerdem bedeutet das, die Ressourcen der Erde so zu nutzen, dass sie nicht ausgebeutet werden.


Irene Hörburger:
Nachhaltige Entwicklung bedeutet für mich nicht auf Kosten anderer Menschen und der nachkommenden Generationen zu leben.

8.- Wie bist Du zu Deinem Engagement in der Friedensarbeit gekommen?
Margit Sandig:
Joan Baez sagte einmal: „Ich möchte Zeitgenossin sein.“ Das hat mich bewegt.
Ich möchte mitten in meiner Zeit leben, sie wahrnehmen und auch darauf reagieren. Mein Mann kommt aus der ehemaligen DDR. 1968 in Prag das hat uns in Rage gebracht.
Als Irene und ich uns kennen gelernt haben begannen wir uns jede Woche einmal zu treffen. Wir hatten viel gemeinsam und waren gemeinsam kreativ. Diese Treffen waren gefüllt mit wertvollen Gesprächen. Auch politische Themen wurden von uns viel diskutiert.
Begegnungen mit engagierten Leuten motivierten uns, dass wir für die Friedensarbeit Feuer fingen.
Wir hatten Antennen für die Zeitumstände und wollten aktiv werden.

Irene Hörburger:
Ich war keine der 68’er Generation. Mein Vater war immer politisch aktiv. Unsere Bibel war der Spiegel. Der Zeitgeist hat uns bewegt. Die Freundschaft zu Margit hatte immer schon Tiefgang. Daraus entstand unser Engagement für den Frieden. Wichtig waren natürlich auch Personen wie Konrad Moll und Helmut Frenz. ihr Engagement inspirierte uns.
Wir stellten eines Nachmittags fest: „Wir haben das Bewusstsein und möchten nicht auf dem Sofa sitzen bleiben.“ So kamen wir von unserer kreativen Betätigung zur Aktion für den Frieden.

9.- Gibt es ein Symbol oder Zeichen für Dich, das „nachhaltige Entwicklung“ ausdrückt?
Margit Sandig:
Zwei Hände halten die Erde. Aus der Erde erwächst ein zartes Pflänzchen. Das müssen wir achtsam hegen und pflegen. Das ist mein Symbol, das mich bewegt.

Irene Hörburger:
Der Regenbogen ist mein Symbol.

10.- Gibt es ein Buch oder einen Film, den Du zu Deinem Thema besonders empfehlen kannst.
Margit Sandig:
Gandi- Der Film ist wichtig für mich.
Filme über Hiroshima und Nagasaki haben mich nachhaltig berührt.
Soldier girls – Der Film hat mich geschockt.

Irene Hörburger:
Biogaphien und der Film über Martin Luther King haben mich bewegt.
Ich empfehle das Buch: “Long walk to freedom“ von Nelson Mandela.

11.- Hast Du einen Tipp, den Du anderen Friedensinitiativen mit auf den Weg geben kannst.
Margit Sandig:
Suche Gleichgesinnte und Verbündete - vernetze Dich. Gehe nicht in die Vereinzelung um Deine politischen Visionen umzusetzen.
Nütze Deine seelischen Kräfte, deine Zeit und Deinen Mut.

Irene Hörburger.
Für mich ist Friedensarbeit nicht möglich ohne einen spirituellen Hintergrund. Sei kreativ und aktiv.

zurück
Leiste mit verschiedenen Bildern aus den beteiligten Projekten
Friedensfahne